Liebeserklärung per Spam-Mail

Wenn man seit 40 Jahren Jungfrau ist, ist es nicht so leicht auf Frauen zuzugehen.

In Internet-Singlebörsen antworten die Frauen nicht. Naja, anfangs schon. Aber sobald ich ein Foto von mir verschickt habe, nicht mehr. Wahrscheinlich wurde das Postfach der armen Empfängerin von meinem großen Bild verstopft. Und deswegen konnte sie nicht mehr antworten. Technik hat halt so ihre Tücken.
Es ist wirklich tragisch – das Foto würde bestimmt einige Frauenherzen dahinschmelzen lassen. Dort trage ich nämlich immer jenes karierte Hemd, welches mir besonders gut steht.

Mit Speed-Dating habe ich es auch schon probiert. Nur habe ich vom Speed Herz-Flattern bekommen und konnte deswegen nicht mehr mit den Frauen flirten. Dann kam auch noch die Polizei und hat eine Drogenrazzia durchgeführt.
Die Untersuchungshaft bot mir aber eine Überraschung: Ein netter Mensch fühlte sich mir sehr nahe. Nur leider war es ein Mann. Und er fasste mich etwas grob an. Bin eher jemand, der auf Blümchensex steht. Aber in meiner Not war ich bereit, die Ansprüche etwas herunterzuschrauben. Doch leider wurde trotzdem nichts aus der Romanze zwischen mir und „Luden-Peter“. Er ist für die nächsten 25 Jahre verhindert. Außerdem erwischte ich ihn dabei, wie er mit anderen Neuankömmlingen fremdging. Nach meiner Entlassung taten sich auch Abgründe auf: Eine Anfrage beim Einwohnermeldeamt ergab, dass deutschlandweit niemand namens „Luden-Peter“ gemeldet ist. Der Kerl hatte mich belogen.

Nun war ich eines morgens sehr frustriert. Es nervte, immer nur alleine die Briefmarkensammlung durchschauen zu können. Auch war ich es leid, ohne einen Kuschel-Partner fernzusehen. So machte auch meine Lieblingssendung (Telekolleg Physik) keinen Spaß mehr. Doch an diesem Tag geschah es: Zum ersten Mal in meinem Leben erklärte mir eine menschliche Person die Liebe.

Es geschah morgens. Noch halb im Schlaf checkte ich meine E-Mails. Eine Chantal, die leider nur Englisch sprach, versicherte mir: „Sign in at <Internet-Adresse entfernt>.com and make love with me. Love, Chantal“ (Bitte nehmt mir nicht übel, dass ich die Internet-Adresse entfernt habe. Aber Chantal hätte es bestimmt nicht gern, wenn andere Männer als ich ihre sehr intime Homepage zu Gesicht bekämen).
Nun betrat ich ihre Seite, auf der sie mit sehr freizügigen Fotos um mich warb. So sehr hatte sich noch nie eine Frau um mich bemüht. Mein Herz schlug höher.
Für die Anmeldung auf ihrer Seite musste per Kreditkarte ein Abonnement über den Betrag von 19.99$ pro Monat bezahlt werden. Das verstehe ich. Sie kennt mich ja noch nicht so gut und muss sichergehen, dass sie sich in die Hände eines solventen Mannes begibt. Doch irgendwie werden seitdem nicht monatlich, sondern täglich 19,99$ von meiner Kreditkarte abgebucht. Manchmal kommt es auch zu Zahlendrehern, und es werden stattdessen 99,19$ berechnet. Aber das macht nichts. Drüben in Amerika haben die halt ein anderes Bankensystem, das wird schon seine Richtigkeit so haben.
Ich glaube ich bin verliebt. Hoffentlich kann ich sie - nach nun mittlerweile fünf Jahren -irgendwann persönlich treffen.

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